Anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Themenabend und Ausstellungseröffnung
Zur Eröffnung der Ausstellung wird der Psychiater und Autor Michael von Cranach über die nationalsozialistischen
Krankenmorde und das Schicksal vor allem der jüdischen Patienten sprechen. Lorenzo Toresini, ehemaliger Chefarzt der Psychiatrien in Triest und Meran und Präsident der Società Italo-Tedesca per la Salute Mentale, gibt Auskunft über die Deportation jüdischer Patienten aus Triest. Und Giuseppe Dell’Acqua, Leiter der Abteilung fur Seelische Gesundheit in Triest und Dozent für Soziale Psychiatrie, beschäftigt sich in seinem Kurzvortrag mit der Amnesie der Psychatrie.
In deutscher Sprache
Musikalische Begleitung
Maria Anelli , Sopranistin
Hans-Christian Hauser, Klavier
Mirella Nagy, Cello
Michael von Cranach: „Die nationalsozialistischen Krankenmorde und das Schicksal der jüdischen Patienten“
Zwischen 1939 und 1945 wurden im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasie – Programms ca. 300.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen ermordet. Nach einer kurzen Schilderung des Ablaufs der damaligen Geschehnisse wird ausführlicher das Schicksal der jüdischen Patienten erörtert und schließlich an Guglielmo Lippi-Francescoli aus Lucca erinnert, der von der SS ermordet wurde weil er half.
Lorenzo Toresini: „Die Deportation der jüdischen Patienten aus Triest“
Am 28.03.1944 wurden 38 jüdischen Patienten vom Psychiatrischen Krankenhaus „San Giovanni“ in Trieste festgenommen und zum Lager „Risiera di San Sabba“ gebracht. Kurz danach wurden sie alle nach Auschwitz deportiert. Der psychiatrische Direktor Donini wurde von den S.S. mit den Maschinenpistolen ums Leben bedroht. Die Krankenkarteien wurden im Jahre 1993 im historischen Archiv des Irrenhauses gefunden. Auf dem Couver der Karteien stand geschrieben: „Dimesso, prelevato manu militari, parte per destinazione ignota“ („Entlassen, von der militärischen Hand festgenommen. Fährt für ein unbekantess Ziel ab“). Der unbekannte Verfasser der Entlassung wollte scheinbar ein Zeichen des Geschehens für die Geschichte hinterlassen.
Michael von Cranach ist Psychiater und Autor. Er hat Wesentliches zur Aufarbeitung der Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus beigetragen, Eine Konsequenz daraus war die Psychiatriereform, mit der Abkehr von großen Anstalten zu kleineren Einheiten, wie auch die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsprozess.
Lorenzo Toresini ist Psychiater, ehemaliger Chefartz von der Psychiatrie in Triest und Meran und Präsident der Società Italo-Tedesca per la Salute Mentale. Er ist Autor von über 50 Veröffentlichungen und einige Bücher Il lavoro rende liberi? (1990), La testa tagliata (1998), Psichiatria e Nazismo (1999), Il tunnel di Sarajevo (2000).
Ausstellungsdauer: 28.01 – 13.02
Ingresso libero, prenotazione obbligatoria
Anmeldung nicht mehr verfügbar